Vielleicht fange ich mal mit den Minuspunkten an. Straight out of the Box hätte die Garmin gerne eine Wlan-Verbindung, um sich richtig einzustellen. Die Uhr kann aber nur 2,4-GHz-Routersignale verarbeiten, das macht eigentlich kein moderner Standard-Router, bei teuren Modellen kann man das Signal wohl splitten, es gibt wohl noch veraltete Router, die nur auf 2,4 GHz funken. Also muss man alles per Handy einstellen. Bis dahin zeigt die Uhr nicht mal die richtige Uhrzeit an. Alles in allem etwas ärgerlich, Updates und größere Downloads am PC per Kabel durchzuführen, weil hier die Geschwindigkeit auch stark begrenzt ist oder schwankt. Ich hab auf der Arbeit ein Gastnetz, mit dem sich die Uhr verbindet, und man kann das natürlich auch über das Handy machen, aber die Wlan-Funktion an der Uhr ist damit praktisch unbrauchbar.
Richtig eingestellt sind da erstmal jede Menge Daten und man sollte sich gut einlesen, ist nicht wirklich immer alles intuitiv, meiner Meinung nach. Ich hatte vor, die Uhr wahlweise links oder rechts zu tragen, ich bin aber an beiden Handgelenken, innen und außen, tattoowiert, ich dachte nicht, dass das zu so großen Problemen führt, aber rechts kann ich die Uhr, aufgrund des dichten Schwarz- und Weißmotivs nicht tragen. Links habe ich glücklicherweise eine Stelle, die nur leichte Schattierungen hat, da kann ich die Uhr tragen. Allerdings habe ich, und das liegt vielleicht auch an schwarzer Armbehaarung, auch hier öfters mal Fehlmessungen oder komplette Ausfälle über längere Zeiträume.
Was die Uhr des Weiteren nicht so gut macht, ist, Schlafanalysen und Nickerchen voneinander zu trennen oder zu messen. Ich hatte die Nachtruhe auf eine Zeit festgelegt, in der ich einfach meine Ruhe haben will, aber noch nicht schlafe. Wenn ich mich länger nicht bewege, wertet die Uhr das als Schlafen und gibt dann einen falschen Schlafscore aus, genauso die Nickerchen, die ich nicht mache, die kann ich seit einem Update löschen und auch die Schlafzeit bearbeiten. Das bringt mir aber nichts, wenn die Uhr ein Wieder-Einschlafen nach dem Aufwachen nicht als Schlafen erkennt. Ab 7 Uhr stoppt mein Schlafmodus, wenn ich bis 8 Uhr schlafe, misst die Uhr in dem Zeitraum keine Phasen und Daten, auch wenn ich den Zeitraum manuell verlängere, steht da einfach „Schlafen“. Ich hab die Zeiten jetzt etwas angepasst und hoffe, das kommt nicht mehr so häufig vor. Zudem habe ich eher einen leichten Schlaf und bewege mich oft, aber ich kann die Wachphasen in keinster Weise nachvollziehen, zum Teil sind da 1,5 Stunden zusammenhängende Wachphase, die ich mitbekommen sollte, wenn ich wach wäre. So wurden aus 6 Stunden Schlaf schon 8 Stunden und die falschen und nicht aussagekräftigen Daten fließen dann weiter in Erholungsparameter, Trainingsbereitschaft, Bodybatterie, Stamina und Schlafprognosen.
Deswegen war auch die Kennenlernphase zwischen der Uhr und meinerseits nicht zwei Wochen, sondern dreieinhalb Wochen, in denen vor allem über Nacht keine oder komische Schlafdaten erfasst wurden. Was wohl auch daran lag, dass Schlafmodus, Energiesparmodus und Aufzeichnungsmodus ordentlich miteinander kollidierten. Ich muss auch sagen: Hätte ich gewusst, dass die Pulsmessung per Lichtsignal am Handgelenk immer noch so eine Pseudowissenschaft ist und so viele Faktoren davon abhängen, ob die nun aussagekräftig ist oder nicht, hätte ich mich gleich für einen Brustgurt entschieden und den einfach mit dem Handy benutzt.
Ich bin eigentlich mehr ein Radfahrer und Mountainbiker, der ab und zu läuft, aber die erste Laufleistungsmessung war zu meiner Verwunderung in einem überragenden Bereich, die Fahrradleistungsmessung war im Verhältnis wesentlich schlechter, eine Mountainbike-Tour auf der Hausstrecke, die ich aber aufgrund der schlechten Bodenverhältnisse im Wald durch Wetter und Rodung teils laufend und Fahrrad tragend bewältigen musste, also nachzuvollziehen. Danach bin ich in einen 9-wöchigen Garmin-Fahrradtrainingsplan eingestiegen, als Referenz wird aber nur diese eine Fahrt herangezogen, die kann ich im Nachhinein nicht löschen oder sinnvoll bearbeiten. Als Trainingsgrundlage somit unbrauchbar, auch weil die Uhr sonst, absolut keine Wattdaten ausspuckt, obwohl sie das eigentlich könnte und während eines Trainings mit entsprechendem Datenfeld auch für eine Millisekunde anzeigt. Es war vorher klar, dass das Feature nicht an Bord ist, aber dass die Uhr das eigentliche könnte und der Preis für die Uhr hoch genug ist, um das Feature zu rechtfertigen, sorgt dann doch irgendwie für Unverständnis, zumal es in der ersten Fahrt ja gemessen wurde. Auch wenn der Wert vermutlich nicht sonderlich genau ist, ist es der Schlafscore und die Pulsmessung ja auch nicht, wozu wir aber noch kommen werden. Die Uhr geht auch davon aus, dass die erbrachte HF beim Laufen die gleiche ist, die ich auf dem Fahrrad erbringe, was so um 8–10 Schläge nicht der Fall ist und die Fahrrad-HF deutlich unter der Lauf-HF liegt, was systembedingt ja sowieso nicht sein kann. Die zu erreichenden HF-Werte auf dem Rad sind somit fast utopisch, auch in Anbetracht, dass mir die Uhr die Trainingsbelastung auf einen leicht aeroben, hoch aeroben und anaeroben Bereich auflistet und mir ständig sagt, der hoch aerobe Bereich, den ich als Radfahrer gar nicht trainieren will, viel zu kurz kommt. Ich hab dann nach einem Monat einen Brustgurt gekauft und der zeigt, dass die Uhr meine HF-Grundwerte zu niedrig, z.B. Ruhepuls bei 36, und hohe Werte oft zu hoch gemessen hat. Ein Radtraining war die HF auf der Uhr bei 198, das sind zehn Schläge über meiner Max-Lauf HF und brach dann für zehn Minuten völlig ab, ohne irgendeine Messung.
Ein weiterer großer Minuspunkt bei dem Fahrradplan ist, dass fünf Tage zum Trainieren ausgewählt werden müssen. So oft trainiere ich eigentlich nicht bzw. mache gern weniger, aber längere Fahrten und baue dann da anaerobe Einheiten ein. Aufgrund der Fehlmessungen und der falschen zugrundeliegenden HF-Werte war mein Trainingsscore immer recht bescheiden, und in manchen Trainings musste ich mir richtig einen abbrechen, um auf die Vorgaben zu kommen. Ich laufe des Plans, sind dann trotzdem alle Fitness-Parameter schlechter geworden, Hillscore ging runter, Ausdauerwert ging runter, Laufprognose schlechter und dann auch merklich meine Leistung, gut, es lagen Feiertage dazwischen, aber ich und die Uhr gehen jetzt davon aus, dass ich im Übertraining bin. Dafür muss ich mir keine Uhr kaufen!
Und klar, die Uhr heißt Forerunner und nicht Foreradler, aber im Dezember lag mein Trainingspensum bei 400 km. Dazu kommen nicht gezählte Fahrten zur Arbeit, zum Einkaufen, zu Freunden, oder zu Veranstaltungen. Die Fahrten zur Arbeit sind allein im Dezember 70 km, die aus der Wertung und Bewertung von Kalorien, Belastung, Erholung fallen, das verfälscht die Daten und Werte nochmal um einiges.
Aufgrund von Wetterumschwüngen und Witterung bin ich jetzt wieder zum Lauftraining übergegangen. Auf einer Strecke, die ich gut kenne, früher gelaufen bin, mit Onlinetools vermessen habe und die auch Ausgang meiner ersten Laufleistung war, fehlten mir beim Laufen nach zwei Runden 700m Strecke bei einer Pace von 5:30. Geplant waren zwischen 3:30 und 4:30 mit entsprechenden Pacealarmen und Zeitfenstern. Ich habe nochmal Gas gegeben, kam aber kaum auf eine bessere Pace und habe dann das Training abgebrochen. Die eigentliche Pace ist tatsächlich so meine Standard für kurze Einheiten bis 5km. Ich musste leider feststellen, dass der Gurt vermutlich die Positionen der Uhr überschrieben hat, oder die Auswahl auf der Uhr bei Satellit auf Auto gestellt war und eine schlechte Wahl getroffen wurde. Das war so der Moment, wo ich darüber nachdachte, wie ich die Uhr wieder zu Geld machen kann und was die wohl so im Weiterverkauf einbringt. Ich habe jetzt viel mit KI aufgearbeitet und Daten und Werte manuell abgeändert und den Gurt optimal auf die Uhr abgestimmt, aber ganz ehrlich: So einen richtig soliden Eindruck machen die Uhr und die Software nicht. Mein Kurzfazit wäre dann folgendes: HF falsch gemessen, Lauf-HF mit Rad-HF verwechselt, Training in falschen HF-Bereichen, Trainings-HF zu hoch angesetzt, Trainingsscore ist immer schlecht, viele Daten falsch erfasst oder geschluckt, erschwert die Erholung und unterschlägt die eigentliche Belastung, Radparameter nicht auf Laufparameter angerechnet, dadurch schlechtere Hill-Score und Ausdauerwerte trotz hauptsächlicher Trainings in den Bergen, gefolgt von Übertraining und Leistungsverlust. Danke, Garmin!